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Die DiakonieStiftung Osnabrücker Land gratulierte zum Jubiläum - „Jedes Kind braucht einen Engel“ feiert 10jähriges Bestehen

Mit einem Gottesdienst und anschließendem Sommerfest feierte das diakonische Projekt der Ev.-luth. Petrusgemeinde Gretesch-Lüstringen-Darum in Osnabrück das zehnjährige Bestehen Mehr als 70 Ehrenamtliche arbeiten mit und für Kinder und Familien in Notlagen.

Jedes Kind braucht einen Engel

Die DiakonieStiftung Osnabrücker Land gratulierte den Projektverantwortlichen zu der erfolgreichen Arbeit mit einem kleinen „flachen“ Blumenstrauß in Höhe von 250 €.

Wie vielfältig die Notlagen sind und welche Hilfestellungen diakonisches Handeln bieten kann, wurde in bewegenden Statements im Gottesdienst deutlich, die wir hier dokumentieren. Mehr zum Projekt „Jedes Kind braucht einen Engel“ finden Sie hier: https://www.jedes-kind-braucht-einen-engel.de/willkommen.html

Die Gottesdienst-Texte verfasste Diakon Jörg-Christian Lindemann, der Initiator und Leiter des Projektes

Mutig sein – Lesen lernen
Bald kommt meine Tochter Leira in die Schule. Im August. Erste Klasse. Sie freut sich darauf. Sie will lesen lernen. Damit sie Bücher lesen kann. Damit sie mir helfen kann. Ich habe Angst vor dem Tag, wenn Leira in die Schule kommt. Alles kommt wieder hoch in der Erinnerung: Das Üben der Buchstaben – immer alleine. Ich konnte es nicht, konnte sie nicht zu einem Wort zusammenlesen. Das schlimme Gefühl, in die Schule zu gehen ohne Hausaufgaben. Die Angst ausgelacht zu werden jeden Tag. Papa und Mama war das egal … Die Scham in allen Schuljahren. Bis ich nicht mehr hin gegangen bin. Keiner war da, der mir geholfen hat
… Und jetzt kommt Leira in die Schule. Und ich kann ihr nicht helfen beim Lesen und Schreiben … und alles geht von vorne los … Das darf nicht sein! Ich will das nicht – Bei Leira soll es anders sein … Ich gehe zur Schule und sage, dass ich meiner Tochter nicht helfen kann. Und ich gehe zur Kirche und bitte um einen Platz für Leira in der Hausaufgabenhilfe und vielleicht auch in der Kinderferienbetreuung – denn Leira soll Freundinnen und Freunde haben. … und wenn der Mut noch reicht, gehe ich auch zum Sozialdienst der Stadt und bitte die auch um Hilfe. Damit es bei Leira anders wird …

Fußballschuhe für Mika
Mist, auch heute waren keine Fußballschuhe da. Mika möchte so gerne mitspielen im Verein. Fußball. Jede freie Minuten ist er unten und kickt mit seinen Freunden. Die sind im Verein. Haben Training zweimal in der Woche. Mika schaut dann zu. Jede Woche suche ich im Laden nach gebrauchten Fußballschuhen. Manchmal bekommen die vom Laden welche gespendet. Es müsste dann nur noch Größe 36/37 dabei sein … damit Mikas Traum wahr wird.
Für Mika bekomme ich 296 € im Monat. Mein kleiner Verdienst und das Kindergeld werden voll angerechnet. Unterhaltsvorschuss habe ich nicht beantragt, bringt ja nichts, wird ja auch voll angerechnet. So oder so: ich habe für Mika 296 € im Monat - das sind 9,87 € am Tag. Klingt fast viel. Reicht aber nicht. Kann nicht reichen.
Mika schaut zu. Die vom Verein haben gesagt, Mika bräuchte keinen Vereinsbeitrag zahlen. Aber eigene Fußballschuhe muss er haben. Im Sommer mit Stollen. Im Winter für die Halle. Das geht nicht anders. Also schaue ich im Laden. Jede Woche. Und zwischendurch guckt Mika selbst. Die im Laden haben versprochen, wenn brauchbare Schuhe reinkommen, reservieren sie die für ihn …

Gemeinsam gegen die Einsamkeit im Alter
Am Anfang hatte ich es gar nicht richtig wahrgenommen. Eine kleine Unsicherheit nur – Schatz, wo ist der Honig? Der kleine Moment des Zögerns, wenn unsere Tochter Karola zu Besuch kam: … Manfred, wie heißt sie noch? … Irgendwann dann die Diagnose „Altersdemenz“. Mehr und mehr war meine Frau auf Hilfe angewiesen, auf mich angewiesen. Dabei ist sie doch jünger! Ich hab kochen gelernt, waschen, bügeln. Kuchen kann ich nicht, wir bekommen eh kaum noch Besuch. Pflege hab ich nie gelernt, musste gehen irgendwie.
Als es nicht mehr ging, war ich in der Bunten Beratungsstelle – zweimal in der Woche haben die auf. Den einen Mann da kenne ich von früher, als Karola Jugendliche war. Der wusste auch nicht alles … aber er hat zugehört und telefoniert. Dann ist eine Frau von der Diakonie Sozialstation zu uns nach Hause gekommen und wir haben überlegt, was gut für meine Frau wäre – und gut für mich …
Dreimal in der Woche kommt jetzt der Pflegedienst – und zweimal in der Woche wird meine Frau zur Tagespflege abgeholt, gleich hier im Stadtteil. Vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Ich treffe mich jetzt manchmal mit den alten Arbeitskollegen. Und gehe zum Kaffee-Treff in den Laden: Lachen und ernste Themen – beides geht da. Die wollen, dass ich in den Seniorenkreis komme – da fehlen Männer – aber so alt bin ich doch noch nicht!