Sie sind hier: DSOSL / Aktuelles / Artikel

Landrätin Anna Kebschull, Osnabrück: „Das Ehrenamt fördert den gesellschaftlichen Zusammenhalt“

Landrätin Anna Kebschull, Osnabrück, hat im Interview mit der DiakonieStiftung Osnabrücker Land die hohe Bedeutung des Ehrenamtes für den Zusammenhalt in der Gesellschaft betont: „Das ehrenamtliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger ist in seiner Bedeutung für die Allgemeinheit überhaupt nicht hoch genug einzuschätzen.“ Sie fordert Wertschätzung und Unterstützung für das Ehrenamt. Anlass für das Gespräch mit der Landrätin war der aktuelle Stiftungsbrief 2/2020 zum Thema Ehrenamt. Hier lesen Sie das gesamte Interview im Wortlaut:

Landrätin Anna Kebschull
Landrätin Anna Kebschull

Frau Kebschull, wie sehen Ihre eigenen Erfahrungen mit Ehrenämtern aus? Gab/Gibt es neben dem politischen Engagement andere Bereiche, in denen Sie gerne ehrenamtlich tätig wären?

Ich habe schon als Schülerin Ehrenämter übernommen – ohne dass ich das damals so genannt hätte. So war ich als Tutorin und für unsere Schülerzeitung aktiv. Ich habe dann über viele Jahre Kurse zur Jagdhundeausbildung geleitet. Leider kann ich diese Tätigkeit, die ich sehr vermisse, aus Zeitgründen nicht mehr ausüben. Auch in anderen Interessensbereichen kann ich mich derzeit mit einem aktiven Beitrag vor Ort nicht engagieren, zum Beispiel in der Kinder- und Jugendarbeit oder beim Naturschutz.

Ehrenamtliche werden oft vor Ort tätig: in der Nachbarschaft, im Verein, in der Kirchengemeinde. Trotzdem wird überörtliche Unterstützung gebraucht: Fortbildung, öffentliche Anerkennung, manchmal auch Supervision. Wie fördert der Landkreis Ehrenamtliche?

Der Landkreis Osnabrück hat schon sehr früh die Bedeutung des Ehrenamts erkannt und Strukturen aufgebaut. 1994 wurde das Büro für Selbsthilfe und Ehrenamt eingerichtet. Seit dem vergangenen Jahr gibt es als Nachfolge die Selbsthilfekontaktstelle und das Ehrenamtsmanagement. Insgesamt setzt der Landkreis Osnabrück verschiedene Schwerpunkte, die ich hier nur kurz anreißen kann: Anerkennung zollen, innovative Projektideen fördern und begleiten sowie Fortbildungen und Qualifizierung anbieten. Dazu kommen Beratung und Begleitung von Engagierten, Vereinen oder Organisationen, Vernetzung und Austausch ermöglichen sowie Öffentlichkeitsarbeit. Aufgrund von gestiegenen Anforderungen im administrativen Bereich werden die Hürden für ehrenamtliche Tätigkeiten immer höher. Mir ist es wichtig, dass der Landkreis Osnabrück hier Unterstützung bietet und den Einstieg und die Begeisterung für das ehrenamtlich/bürgerschaftliche Engagement erleichtert.

Welche Bedeutung messen Sie dem Ehrenamt in unserer Gesellschaft zu?

Das ehrenamtliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger ist in seiner Bedeutung für die Allgemeinheit überhaupt nicht hoch genug einzuschätzen. Das zeigen bereits die Zahlen für den Landkreis Osnabrück. Wir haben hier weit mehr als 2000 Vereine, rund 300 Selbsthilfegruppen und sicher dieselbe Anzahl an Initiativen, Bürgerprojekten und ehrenamtlichen Einzelaktionen. In zahlreichen Bereichen sind Bürgerinnen und Bürger aktiv und fördern so den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ohne dieses Engagement wäre der Staat überfördert und Leben und Teilhabe für alle Menschen deutlich härter und ärmer.

Was liegt Ihnen zum Thema Ehrenamt besonders am Herzen?


Viele Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, tun das ohne viel Aufhebens. Das ist wunderbar und ehrt sie natürlich. Aber weil das Ehrenamt für unsere Gesellschaft einen so hohen Wert hat, liegt mir am Herzen, dass es die Wertschätzung und Unterstützung erhält, die es verdient. Deshalb ist es wichtig, dass die Hürden für das bürgerliche Engagement möglichst niedrig sind und die Rahmenbedingungen es zulassen, dass nicht Bürokratie, sondern Kreativität und Handeln an erster Stelle stehen.

Herzlichen Dank, Frau Landrätin Kebschull, für das Interview.